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Ukraine-Hilfsfahrt März 2022

Als der Krieg begann: Unsere spontane Hilfsfahrt an die ukrainische Grenze

Ukraine-Hilfsfahrt März 2022 – unsere spontane Entscheidung zu helfen fiel unmittelbar nach Kriegsbeginn. Als am 24. Februar 2022 die ersten russischen Raketen auf ukrainische Städte einschlugen, war für meine Frau und mich schnell klar: wir können nicht einfach zu Hause bleiben. Die Bilder, die uns erreichten, gingen durch Mark und Bein. Häuser in Trümmern, Menschen in Panik, Familien auf der Flucht – mitten in Europa.

Wir wollten helfen. Sofort.

Wenige Tage später – vom 4. bis 6. März 2022 – machten wir uns auf den Weg. Ein Bekannter unserer Nachbarn stellte uns seinen VW Transporter zur Verfügung – einen robusten Bulli mit neun Sitzen, vollgetankt. Unter dem Fahrersitz hatte er vorsorglich kleine Wasserflaschen verstaut. Und so fuhren wir los – ohne großen Plan, aber mit einem klaren Ziel: den Menschen an der polnisch-ukrainischen Grenze irgendwie zu helfen.

Unser Bulli mit Ukraine-Spiegelschutz unterwegs zur polnisch-ukrainischen Grenze, März 2022
Hilfszelte und wartende Fahrzeuge an der polnisch-ukrainischen Grenze im März 2022 – Versorgungspunkt für Geflüchtete.

Es war eisenkalt. Auf dem Weg posteten wir über Facebook, dass wir Richtung Grenze unterwegs seien und Platz im Bus hätten. Es dauerte nicht lange, bis sich zwei Familien aus Charkiw meldeten. Sie waren bereits auf dem Weg zur Grenze, aber noch auf ukrainischem Boden – kurz vor dem Übergang.

Wir fuhren zum Grenzübergang und warteten dort acht Stunden lang. Diese Wartezeit war geprägt von Kälte, aber auch von emotionaler Überwältigung. Wir sahen Tausende Menschen – überwiegend Frauen und Kinder, viele davon völlig übermüdet, frierend, voller Angst. Die Gesichter waren leer, starr, geschockt. Manche hatten nur eine Tasche bei sich, andere trugen ihre Kinder auf dem Arm – nicht wissend, wohin der nächste Schritt sie führen würde.

Trotz des Chaos beeindruckte uns die Organisation der polnischen Helfer zutiefst. Freiwillige hatten Zelte aufgestellt, verteilten Suppe, Tee und Wasser, boten medizinische Erstversorgung an und sprachen mit den Menschen. Es war gelebte Solidarität – direkt an der Grenze, ohne Bürokratie, ohne Zögern.

Als wir endlich die beiden Familien aus Charkiw in Empfang nehmen konnten, war klar: sie waren am Ende ihrer Kräfte. Doch im Bus waren noch Plätze frei. Also fuhren wir weiter – zu einem Verteilungslager nahe eines anderen Grenzübergangs. Dort trafen wir auf eine dritte Familie aus Odessa. Auch sie war auf der Flucht, ebenfalls erschöpft – aber dankbar, dass wir sie mitnahmen.

Hilfscamp an der polnisch-ukrainischen Grenze mit Freiwilligen, Zelten, Versorgungsständen und ankommenden Geflüchteten, März 2022.
Ausgabestelle im Hilfscamp: Kostenloses WLAN, heiße Speisen, Kaffee und Tee für Geflüchtete an der polnisch-ukrainischen Grenze.

Es war spät in der Nacht, als wir realisierten – diese Frauen und Kinder würden es in diesem Zustand nicht bis nach Deutschland schaffen. Wir begannen, Hotels zu suchen – aber im Umkreis von 200 Kilometern war alles ausgebucht. Erst in Krakau wurden wir fündig.

Das Hotelpersonal begegnete uns mit großer Herzlichkeit. Sie bereiteten Tee zu, gaben Wasser und kleine Speisen aus. Die Hotelkosten habe ich übernommen – es war für mich selbstverständlich.

Am nächsten Morgen war es spürbar: die erste Nacht ohne Sirenen, ohne Explosionen, ohne Angst – sie hatte etwas verändert. Die Gesichter der Kinder waren weicher, die Augen der Mütter weniger leer. Es war, als hätten sie zum ersten Mal seit Tagen wieder Hoffnung gefasst.

Wir fuhren weiter nach Hannover. Dort begleiteten meine Frau und ich die Familien in den ersten Tagen: bei Behördengängen, mit Übersetzungen, Formularen, Orientierungshilfe im neuen Alltag.

Mit einer dieser Familien, der Familie aus Odessa, stehen wir bis heute in engem Kontakt. Der Sohn der Mutter besucht inzwischen dieselbe Schule wie unsere Kinder. Das zeigt uns jeden Tag, dass echte Hilfe oft weiterwirkt, als man in dem Moment ahnt.

Die Ukraine-Hilfsfahrt im März 2022 war für uns kein geplanter Einsatz – sie entstand aus tiefem Mitgefühl und einem entschlossenen „Jetzt oder nie“. Wir hatten keine Organisation im Rücken, kein Konzept – nur ein Bulli, Mitgefühl und die Entscheidung, nicht wegzuschauen.

Verfasst von:
Andrej Zubov
Ehrenamtlicher Helfer & einer der Geschäftsführer der ARIT Services GmbH